In dieser Ansicht wendet sich Bellotto den Palastgärten zu, die in den 1750er Jahren unter Kaiser Franz Stephan neu gestalteten worden waren. Das weitläufige Parterre entfaltet sich in geometrischer Ordnung. Am fernen Horizont zeichnet sich Wien ab. Die Szene vermittelt ein Bild imperialer Harmonie: Gärtner, Diener und Aristokraten deuten die Dynamik an, die das Hofleben prägte. Die Figuren – darunter vielleicht auch Mitglieder der kaiserlichen Familie – beleben die wohlgeordnete Anlage mit höflichen Gesten. Zugleich spiegelt das Spiel von Licht und Schatten soziale Hierarchien wider. Adelige schwelgen in der Sonne, Arbeiter bleiben oft im Dunkeln. Das Ergebnis ist eine Allegorie absolutistischer Herrschaft: Geometrie, Gartenarbeit und kaiserliche Autorität fügen sich zur Vision einer geordneten Gesellschaft.
Schloss Schönbrunn, Gartenseite
Kunsthistorisches Museum