Bellottos Wiener Veduten vereinen genaue Beobachtung, gemessene Perspektive und bewusste topografische Anpassung. In seinem berühmten Blick auf Wien vom Belvedere aus hält Bellotto die Silhouette der Stadt mit kartografischer Präzision fest, verdichtet aber zugleich die einzelnen Elemente zu einem monumentalen Ganzen. Er rückt die Karlskirche (links) und die Salesianerinnenkirche (rechts) näher zusammen und lässt die Kirchtürme der Stadt steiler erscheinen, um den Blick nach innen und oben zu lenken. Im Gegensatz zu späteren, romantischen Darstellungen der Stadt – etwa Josef Heideloffs Ansicht, die pastorale Muße in den Vordergrund stellt und die Stadt in der Ferne verblassen lässt – spiegelt Bellottos Klarheit die Aufklärung wider, jene geistige Bewegung, die für Vernunft, Wissenschaft und präzise Sicht eintrat.

1023
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Bellotto

Wien vom Belvedere aus gesehen

1759/60
Kunsthistorisches Museum
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Josef Heideloff

Blick auf Wien vom Prater aus

ca. 1781
Gemäldegalerie der Akademie der bildenden
Künste Wien