In Bellottos Mehlmarkt-Ansicht krümmt sich eine Figur unter der Last eines Mehlsacks – eine Mahnung, dass Wiens Prunk auf körperlicher Arbeit beruhte. Der Platz wird gerahmt von Barockfassaden, der Kapuzinerkirche und der „Mehlgrube“, deren Keller als Getreidelager und die Obergeschoße für Bälle genutzt wurden. Arbeit, Frömmigkeit und Festtrubel kommen so zusammen. Auch das zweite Gemälde spielt mit Kontrasten: Das Palais Lobkowitz erscheint im Sonnenlicht; das Bürgerspital – Heim für Arme und Kranke – liegt im Schatten. Dazwischen gemahnen das Missionskreuz der Kapuziner und der Stephansdom an Frömmigkeit und Sterblichkeit. Rechts im Schatten zeigt Bellotto ein Mädchen mit Krücke. Not und Elend werden sichtbar, bleiben aber am Rande und verlieren sich in einer Komposition, die soziale Hierarchie eher normalisiert als kritisiert.
Der Mehlmarkt in Wien
Kunsthistorisches Museum
Die Mehl-Grube
Wien Museum
Der Lobkowitzplatz in Wien
Kunsthistorisches Museum
Auf einen Stab gestützter Bauernknabe mit verbundenem Kopf
Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien