In seinen Ansichten der Freyung inszeniert Bellotto das religiöse und kommerzielle Leben Wiens. Vor der Schottenkirche zeigt er eine Prozession, die oft als Fronleichnamszug interpretiert wurde, wofür eine Monstranz wie die hier ausgestellte erforderlich wäre. Doch scheint der Priester im Zentrum eher ein Reliquiar zu tragen – vermutlich von einer der Bruderschaften der Abtei. Um welches Ritual es sich auch handelt, die Choreografie der sich verneigenden Aristokraten, Mönche und Bürgerinnen lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Prozession. Die zweite Ansicht widmet sich dem geschäftigen Marktleben. Die akribische Darstellung der Straßenverkäufer nimmt dabei Johann Christian Brands Wiener Kaufruf (1775) vorweg, mit dem Bellotto eine nahezu ethnografische Erfassung der Wiener Bevölkerung teilt.
Strahlenmonstranz
Schottenstift, Wien
Die Freyung in Wien, Ansicht von Nordwesten
Kunsthistorisches Museum
Die Freyung in Wien, Ansicht von Südosten
Kunsthistorisches Museum
Hasenbalgkrämerin, Hühnerkrämer und Küchenträger
1775
Wien Museum