In seinen Ansichten der Freyung inszeniert Bellotto das religiöse und kommerzielle Leben Wiens. Vor der Schottenkirche zeigt er eine Prozession, die oft als Fronleichnamszug interpretiert wurde, wofür eine Monstranz wie die hier ausgestellte erforderlich wäre. Doch scheint der Priester im Zentrum eher ein Reliquiar zu tragen – vermutlich von einer der Bruderschaften der Abtei. Um welches Ritual es sich auch handelt, die Choreografie der sich verneigenden Aristokraten, Mönche und Bürgerinnen lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Prozession. Die zweite Ansicht widmet sich dem geschäftigen Marktleben. Die akribische Darstellung der Straßenverkäufer nimmt dabei Johann Christian Brands Wiener Kaufruf (1775) vorweg, mit dem Bellotto eine nahezu ethnografische Erfassung der Wiener Bevölkerung teilt.

1041

Strahlenmonstranz

Wien, 1761
Schottenstift, Wien
1042
Bellotto

Die Freyung in Wien, Ansicht von Nordwesten

1759/60
Kunsthistorisches Museum
1043
1043
Bellotto

Die Freyung in Wien, Ansicht von Südosten

1759/60
Kunsthistorisches Museum
1044–1046
Johann Christian Brand

Hasenbalgkrämerin, Hühnerkrämer und Küchenträger

aus: Zeichnungen nach dem gemeinen Volke, besonders Der Kaufruf in Wien
1775
Wien Museum