Wie sein Onkel Canaletto verwandelte auch Bellotto die Stadt in ein Theater. Er verschmolz verschiedene Blickwinkel, arrangierte Gebäude wie Kulissen und Figuren wie Schauspieler. Sein einziger Wiener Stich, der die Ballett-Pantomime Le Turc Généreux zeigt, offenbart, wie geschickt er Spektakel in eine bildhafte Form übersetzte. Seine scheinbar wissenschaftliche Präzision enthält folglich immer auch bewusste Auslassungen. Wie alle Großstädte war Wien von Kriminalität und sozialen Spannungen geprägt. Die Justizreformen Maria Theresias – vor allem die Kodifizierung der Folter in der Constitutio Criminalis – verweisen auf die härteren Realitäten der Epoche. Während Kupferstecher wie Salomon Kleiner gelegentlich Raufereien darstellten, blenden Bellottos Ansichten solche Konflikte aus. Seine Gemälde zeigen ein Ideal, das der habsburgische Hof vermitteln wollte.

1038
Bellotto

Szene aus »Le Turc Généreux« am Hofburgtheater

1759
ALBERTINA, Wien
1039
Salomon Kleiner

Prospect des Visendischen Hauses unter der Tuchlauben

1733
Wien Museum
1040

Constitutio Criminalis Theresiana

Wien, 1769
Österreichische Nationalbibliothek, Wien