Nach der osmanischen Belagerung von 1683 erlebte Wien einen Bauboom. Während Befestigungsanlagen die Innenstadt noch einengten, entstanden in den Vororten neue Paläste und Gärten – darunter das Gartenpalais Liechtenstein, das Bellotto als Bühne aristokratischer Selbstdarstellung porträtierte. Mit Terrassen, Skulpturen und Gärten bildet das Palais die Kulisse für vornehme Figuren, deren elegante Gesten zeitgenössische Ideale von Disziplin und Anmut verkörpern. Diese zur Schau gestellte Kultiviertheit war jedoch von Ungleichheit geprägt. Der schwarze Pagenjunge in einem der Bilder erinnert an
die Präsenz von Afrikanern in den Kreisen der Wiener Elite – darunter der gelehrte Angelo Soliman im Dienst des Fürsten Liechtenstein. Aristokratische Repräsentation beruhte also nicht nur auf Verfeinerung, sondern auch
auf Unterwerfung.
Das Belvedere im Garten des Palais Liechtenstein in der Rossau
LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Das Gartenpalais Liechtenstein in der Rossau, mit Ansicht des Parks und des Belvederes
LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Das Gartenpalais Liechtenstein in Wien von Osten
LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Das Gartenpalais Liechtenstein in Wien vom Belvedere
LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Angelus Solimanus
1760/65
LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna