1000, 1001

Gemalte Stadtansichten (ital. vedute) waren im 18. Jahrhundert äußerst beliebt. Insbesondere britische Aristokraten, die auf ihrer Kavaliersreise durch Europa (der »Grand Tour«) Italien besuchten, wünschten sich – als Zeichen ihrer Weltläufigkeit – Bildsouvenirs 
von wichtigen Reisestationen, insbesondere Venedig.  Ein herausragender Maler, der diesen Markt bediente, war der Venezianer Giovanni Antonio Canal (1697–1768), bekannt als Canaletto (»kleiner Kanal«). Als Sohn eines Bühnenbildners verband er optische Genauigkeit mit malerischer Fantasie, um Venedigs einzigartige Szenerie in eine idealisierte Bühne zu verwandeln. Geschickt zeigt er geschäftige Kais und Kanäle, aber auch Zeremonielles, etwa die Prunkbarke des Dogen (den Bucintoro) auf ihrer alljährlichen Prozession zur Adria. Seine Gemälde präsentieren Venedig dabei als Ideal republikanischer Tugend, maritimer Macht und zeremoniellen Prunks. Canalettos Kompositionen waren weithin begehrt. Zeitgenossen priesen vor allem ihre Leuchtkraft, da es schien, als würde das Sonnenlicht selbst von ihnen ausstrahlen.  Canals Neffe Bernardo Bellotto (1722–1780) begann seine Karriere ebenfalls in Venedig, wo er in der Werkstatt seines Onkels lernte. Er nahm sogar selbst den Namen »Canaletto« an, um seine künstlerische Abstammung zu unterstreichen und seinen Marktwert zu steigern. Um Verwechslungen zu vermeiden, wird Canal in dieser Ausstellung als Canaletto und sein Neffe als Bellotto bezeichnet. Die Schau zeigt, wie beide Künstler sich kreativ mit der Vedutenmalerei auseinandersetzten und diese an neue Schauplätze in Europa brachten: Canaletto nach London, Bellotto nach Dresden und Wien.

1001
Canaletto

Die Riva degli Schiavoni in Venedig

ca. 1730
Kunsthistorisches Museum
1000, 1001